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Quelle: http://www.nzz.ch/nachrichten/wissenschaft/jagd_auf_das_bernsteinzimmer_1.685947.html
© NZZ Online (Neue Zürcher Zeitung)
9. März 2008, NZZ am Sonntag

Jagd auf das Bernsteinzimmer

Im deutschen Erzgebirge sucht der Bürgermeister einer abgelegenen Gemeinde seit zehn Jahren nach dem verschollenen Bernsteinzimmer. Jetzt will er zwei Tonnen Nazigold entdeckt haben.

Von David Hesse

Der kleine, runde Mann mit der Wünschelrute ärgert sich. Es wird an der falschen Stelle gebohrt. «Weiter westlich, Mensch, ich kann es euch zeigen, der Tunnel ist da drüben», ruft er. Seine Stimme geht unter im Dröhnen des Schachtbohrers, der eben das elfte Loch in die Hügel um Deutschneudorf fräst. Einige Dutzend Schaulustige aus den umliegenden Dörfern stehen dabei, bleiche Teenager in Bomberjacken, Pensionäre mit abgewetzten Fellmützen. Es ist zehn Uhr früh, die Wurstwarenhändlerin aus dem nahen Olbernhau verkauft Knacker und Glühwein aus einem mobilen Imbisswagen. Im sächsischen Erzgebirge, an der deutsch-tschechischen Grenze, sucht ein Dorf nach dem Bernsteinzimmer.

Oberster Schatzsucher ist Heinz-Peter Haustein, 53, der Bürgermeister der 1200-Seelen-Gemeinde Deutschneudorf, ein grosser, wuchtiger Mann und für die meisten nur «der Peter» – im Erzgebirge ist man per du. Er trägt als Einziger am Grabungsort ein Sakko, spricht in Mikrofone, Handys, Fernsehkameras, zeigt in Bohrlöcher, klopft auf Schultern, fragt: «Wie geht's der Hüfte, Paul?» Dann muss er mit den Augen rollen, weil die angereisten Journalisten dumme Fragen stellen.

Nein, gefunden habe er noch nichts. Kein Nazigold, keine Raubkunst, keine Kisten voller Bernstein. Nur eine Wasserader, bei Bohrloch Nummer 2. «Aber was erwartet ihr denn? So eine Schatzsuche erfordert Geduld», sagt Haustein. Er habe die Beharrlichkeit in den Genen, seine Vorfahren seien Steiger gewesen, Bergleute. «Darum suchen wir hier, bis wir fündig werden, auch wenn es Monate dauert», sagt er. Spricht den Bergmannsgruss «Glückauf» und geht mit langen Schritten ab.

Die Alten wissen es

Mitte Februar hat Haustein per Presseerklärung verkündet, er stehe kurz vor der Bergung des legendären Bernsteinzimmers. Dank Tiefenmessungen mit elektromagnetischen Wellen habe er im Fels einen künstlich angelegten Schacht in 20 Metern Tiefe entdeckt, in dem grössere Mengen von Edelmetall lagerten, offenbar verpackt in quaderförmigen Behältnissen. Um kommunes Erz handle es sich auf keinen Fall: «Wir erwarten entweder Gold vom Bernsteinzimmer oder von diesem Gold Hinweise auf ein weiteres Versteck», erklärte Haustein damals.

Zum Startschuss der Grabungen vor zehn Tagen sind Medienvertreter aus ganz Deutschland, ja aus Russland und Spanien angereist. Haustein ist Bundestagsabgeordneter der liberalen FDP in Berlin und ein notorischer Bernsteinzimmerjäger. Seit mehr als einem Jahrzehnt ist er versessen darauf, das «achte Weltwunder» in seiner abgelegenen Heimat aufzuspüren. Das Bernsteinzimmer, eine aus zehn Tonnen Rohbernstein angefertigte Wandtäferung, wurde 1941 von den Nazis aus der Sowjetunion geraubt und gilt seit 1944 als verschollen (siehe Kasten).

Haustein ist überzeugt, die Nazis hätten die in Kisten verpackten Bernsteinschnitzereien vor Kriegsende im Stollen eines heute verschütteten sächsischen Bergwerks eingelagert. «Die Alten der Gegend haben immer schon Andeutungen gemacht. Und 1995 hat mir dann ein Bürger von Deutschneudorf auf dem Totenbett gestanden, dass er als Soldat der Wehrmacht hier Kisten voller Bernstein in Empfang genommen habe», sagt Haustein. Da war für ihn die Sache klar, an der Glaubwürdigkeit des Zeugen hat er nie gezweifelt. «Der Zeuge war mein Vater», sagt er feierlich.

Seit des Vaters Beichte hat Haustein immer wieder den Bagger angesetzt. Auf eigene Kosten, sagt er, der Bürgermeister verpulvere keine Gemeindegelder. Haustein ist Inhaber einer Aufzugsfirma mit 160 Angestellten. Sollte er fündig werden, so hofft er auf Rückvergütung durch den Freistaat Sachsen, dem alle Schätze aus seiner Erde zustehen. Je intensiver er grabe, desto mehr Zeitzeugen brächen ihr Schweigen und bestätigten Kulturgütertransporte nach Deutschneudorf, sagt Haustein: «Bei den Nazis hiess das .»

Das Bernsteinzimmer wurde seit Kriegsende an mindestens 160 Orten der Welt gesucht, auf dem Meeresgrund genauso wie in Schlössern und Bunkeranlagen. In der exzentrischen Gemeinschaft der Schatzsucher hat es gralsähnlichen Status. Der russisch-liechtensteinische Baron Eduard von Falz-Fein hat 1970 einen Bernsteinzimmer-Klub gegründet und eine halbe Million US-Dollar Belohnung für den Finder ausgesetzt. Bis heute hat niemand die Prämie beansprucht. Dafür verloren manche Hobbyarchäologen bei der Suche den Verstand. 1987 wurde der Obstbauer und Bernsteinzimmersucher Georg Stein tot und mit aufgeschlitztem Bauch im Bayerischen Wald gefunden. Die Polizei meinte Suizid, Schatzsucher aber glauben, Stein habe wegen seiner Nachforschungen sterben müssen.

Auch Haustein hat schon Drohbriefe erhalten, was ihm zeigt: «Wir sind auf der richtigen Fährte.» Der Bürgermeister spurtet durch sein riesiges Büro, das voller Schnitzkunst, Bergwerksmodelle und Ahnentafeln steckt. Er sucht die Briefe heraus, säuberlich mit Eingangsdatum versehen, handgeschriebene Aufforderungen, die sächsische Erde ruhen zu lassen. «Alle wissen, dass hier etwas begraben liegt», sagt Haustein. Dass in all den Jahren niemand den Schatz geborgen hat, erstaunt ihn nicht: «, hiess es bei der SS», sagt er.

Mit Verve gegraben hat die Staatssicherheit der DDR. Ab 1974 suchten bis zu 300 Mann die ostdeutschen Bergwerksgebiete nach dem Bernsteinzimmer und anderen Schätzen ab. «Da die Stasi in solchen Dingen erstaunlich kompetent war, würde es mich sehr erstaunen, käme das Bernsteinzimmer heute noch zum Vorschein», sagt Sergiusz Michalski, Professor für Kunstgeschichte an der Universität Tübingen.

Heinz-Peter Haustein hat bis heute nichts gefunden ausser Knöpfen, einem Stück Zündschnur, einem Tresorschlüssel und einer SS-Maschinenpistole. «Die bisherigen Grabungen waren aber auch zu unsystematisch», sagt er. Jetzt gehe es professionell zur Sache, bei Bohrloch Nummer 12 sei man angelangt. Polizisten schützen das Gelände rund um die Uhr vor Räubern, auch auf Nazi-Sprengfallen sei man vorbereitet.

Grund für die Grossoffensive ist eine Karte. Die will ein Hobbyschatzsucher namens Christian Hanisch im fernen Schleswig-Holstein im Nachlass seines Vaters entdeckt haben. Als Funker der Luftwaffe habe der Vater mit exakten Koordinaten notiert, wohin 1,9 Tonnen Parteigold geschafft worden seien. Die Spur führt nach Deutschneudorf. Weil «die Kisten mit dem Gold eine Nummer zu gross für mich sind», sagt Hanisch, habe er sich mit Haustein zusammengetan: «Ich bin mehr der Klappspatenmensch, Haustein ist ein Baggermensch.» Buddeln und Maul halten

Baggermensch Haustein war Feuer und Flamme. Er nahm 10 000 Euro zur Hand und bestellte die Bergsicherung Schneeberg mit schwerem Gerät auf den Platz. Dass er auch gleich die Presse rief, verunsichert Schatzsucher Hanisch. «Ich bin mehr für buddeln, rausholen, Maul halten», sagt der bleiche Mann im Tarnanzug. «Von einem Bernsteinzimmer habe ich auch gar nie etwas gesagt.» Zwei Tage später macht er sich aus dem Staub. Haustein winkt ab, posiert vor frisch gedruckten Plakaten mit der Aufschrift: «Das Bernsteinzimmer haben wir schon fast gefunden.» Der Imbiss bietet «Bernstein-Wurst» an, hochprozentige «Bernsteintropfen» machen die Runde.

Hausteins Bundestagskollegen mosern derweil in der deutschen Presse, der Erzgebirgler betreibe als Schatzsucher unlauteren Wahlkampf. Daheim versteht man die Aktion eher als Standort-Marketing: «Der Peter macht das nicht für sich, sondern für den Ort», sagt Stollenführer Klaus, der die wenigen Touristen durch das örtliche Schaubergwerk führt. Auch diese Attraktion verdankt der Ort Hausteins Passion: 1998 ist der Bürgermeister bei der Schatzsuche auf den vergessenen Stollen gestossen. Der wurde ausgebaut und für Besucher freigegeben. «Wir haben Uniformreste im Stollen gefunden», frohlockt Haustein. «Die Nazis waren hier, unter der Erde.»

In Berlin steht viel Arbeit an, die Schatzsuche muss eine Weile ruhen. Nächste Woche aber will Haustein weiterbohren. Sollte er das Bernsteinzimmer wirklich einmal heben, so wäre er dafür, es den Russen zurückzugeben: «Vorausgesetzt, wir kriegen die Gutenberg-Bibel und das Stadtarchiv Magdeburg zurück.»


Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 1./2. März 2008 (Printausgabe - Seite 4)
© Leipziger Volkszeitung

„Wir finden auf jeden Fall was“

Goldrausch in Deutschneudorf / Bürgermeister Heinz-Peter Haustein glaubt fest an einen Schatz

Von SVEN HEITKAMP

Deutschneudorf. Beharrlich dröhnt der armdicke Schlagbohrer durch den Fels aus Gneis und Quarz. Zwei Stunden dauert es, ehe das schwere Gerät in 20 Metern Tiefe ankommt, dort wo die Depots seien müssen – die Stollen, in denen die Schätze liegen. Angeblich zumindest. 1,9 Tonnen Parteigold der NSDAP sollen es auf jeden Fall sein, und Teile des Bernsteinzimmers auch. Daneben Martin Bormanns Nachlass, Gemäldesammlungen und Diamanten von Häftlingen aus dem KZ Theresienstadt.

„Wir finden auf jeden Fall was, hundertprozentig“, sagt Schatzsucher Heinz-Peter Haustein, der Bürgermeister von Deutschneudorf, das in einem idyllischen Erzgebirgstal an der Grenze zu Tschechien liegt. Kein Augenzwinkern, keine Skepsis ist dabei. Seit Dienstag steht der FDP-Politiker jeden Tag stundenlang an der Bohrstelle und gibt Interview um Interview. CNN, NTV und andere berichten live. Reporter und Schaulustige finden sich ein, viele schütteln ungläubig den Kopf. Polizisten drehen ihre Runden, die Männer der Bergsicherung Schneeberg bohren das nächste Loch, und der Absatz der „Bernstein-Rauchbratwurst“ floriert.
Er habe, sagt Haustein, die Koordinaten vom Schatzsucher Christian Hanisch, dessen Vater Funker und Navigator der Luftwaffe war und dem Sohn die Daten vererbte. Nun werde systematisch vorgegangen, bis man die zugesprengten Stollen unter den Birken finde. Am Donnerstagmittag treffen zwei Geophysiker ein, die jetzt weitere Messungen durchführen. „Die machen alles, was technisch möglich ist“, sagt Haustein. Die Bohrungen sollen derweil ruhen. Der 53-Jährige muss in den Bundestag, der unfallversicherungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion hat Sitzungswochen und Termine in Berlin. „Das Mandat ist auch wichtig“, sagt er.
Die Parteifreunde scheinen sich indes ein wenig Sorgen zu machen. Journalisten werden vorsorglich angerufen und darauf hingewiesen, was für ein feiner Kerl der Haustein eigentlich ist. Und da haben sie nicht Unrecht. Haustein hat ein gut gehendes Unternehmen mit 120 Mitarbeitern, die Aufzüge in der ganzen Republik und im Ausland bauen. Das schnieke Firmengelände liegt am Grenzbach Schweinitz, gegenüber dem sagenumwobenen Stollen.
Seit 14 Jahren ist Haustein ehrenamtlicher Bürgermeister des 1200-Einwohner-Ortes, 2006 wurde er mit 99 Prozent wiedergewählt. Er finanzierte privat ein Feuerwehrauto, er eröffnete einen deutsch-tschechischen Kindergarten, er spielt im Posaunenchor und vom Schatz will er, nach Abzug der Bohrkosten von 10 000 Euro pro Woche, eine deutsch-tschechische Grundschule errichten. Wenn er was gefunden hat. Doch die Suche dauert nun schon zwölf Jahre.
Im Landesamt für Archäologie mag man an Hausteins Erfolg kaum glauben. „Wir beobachten diese Schatzsuchen und Bohrungen schon seit 17 Jahren. Aber es hat noch nie einer was gefunden“, sagt Sprecher Christoph Heiermann. „Wir haben dazu auch keine quellenrelevanten Hinweise. Das wäre längst bekannt.“ Nach dem Krieg hätten schon die Alliierten alles durchkämmt und von diesen Dingen nichts entdeckt. „Und die hatten noch ganz andere Möglichkeiten“, sagt Heiermann. Dennoch – ausgeschlossen sei nichts. „Wir wünschen Herrn Haustein viel Glück.“
Würde etwas gefunden, fiele das Vermögen an den Freistaat oder den Bund. Deutschneudorf könnte sich über den Finderlohn freuen. Von Kritikern lässt sich Haustein jedenfalls nicht beirren. Stattdessen kommen täglich neue Tipps. Leute stecken ihm Zettel mit Informationen zu. Wünschelrutengänger zeigen hinterm alten Güterschuppen, wo das Labyrinth liegt. In Briefen wird er vor Sprengfallen gewarnt. Haustein nimmt das alles sehr ernst. „Als Bergmann mit Seele brauchst du Beharrlichkeit, Hoffnung und Gottvertrauen“, sagt er. Kolumbus habe man auch 20 Jahre für einen Spinner gehalten.
Von Carinhall nach Deutschkatharinenberg, wie der Ortsteil heißt, soll es für die Nazi-Größen im Frühjahr 1945 nur ein kurzer Weg gewesen sein. Aus Görings Anwesen in der Schorfheide sei das Nazigold nach Deutschneudorf gebracht worden, sagt Schatzsucher Hanisch, der aus Schleswig-Holstein kommt und eine Art Tarnanzug trägt. Sein Vater habe damals die Funktrasse verlegt. Auch ein Bahnhof war an der Stelle und Haustein beruft sich auf Anwohner, die gesehen haben wollen, wie Uniformierte bei Nacht und Nebel die Kisten in die Stollen brachten.
Für Frank Kaden ist das alles „Mist“. Der 60-jährige steht am Grill Zum heißen Stein und beobachtet Hausteins Treiben. Früher war die Suche ja nicht so ernst. „Aber der glaubt inzwischen selber dran“, sagt Kaden. Doch wenigstens, so finden andere, ist wieder was los am Abenteuerbergwerk Fortuna-Stollen.


Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 23. Februar 2008
© LVZ-Online vom: Samstag, 23. Februar 2008

Goldrausch im Erzgebirge

Schatzsucher haben glaubhafte Hinweise auf Bernsteinzimmer und zwei Tonnen Edelmetall

Von ANDREAS DEBSKI

Deutschneudorf. Diese Sitzungswoche in Berlin war für Heinz-Peter Hau- stein unerträglich. Ausschusstagungen wechselten mit Abstimmungen über Hartz IV, Tierschutz und Vaterschaftstests. An Konzentration war nicht zu denken. Immer wieder schweiften die Gedanken ab. In die Heimat, ins erzgebirgische Deutschneudorf. Haustein ist FDP-Bundestagsabgeordneter, Bürgermeister von Deutschneudorf – und Schatzsucher: Der 53-Jährige wähnt sich kurz vor der Erfüllung seines Lebenstraumes.

Seit Mitte der 90er Jahre behauptet er, dass das Bernsteinzimmer und andere Schätze von den Nazis in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges in einem Stollen nahe seines Dörfchens versteckt wurden. Mehrere zehntausend Euro hat er bereits in die Suche investiert, sogar Wünschelrutengänger sollten ihm helfen. Haustein kann nicht mehr sagen, wie oft er für seine Thesen belächelt wurde. Doch nun scheint der Triumph nahe: Geoelektrische Spezialsonden haben in dem betreffenden Gelände, das von Stollen durchzogen ist und an der deutsch-tschechischen Grenze liegt, in etwa 20 Meter Tiefe einen Hohlraum geortet – mit etwa zwei Tonnen Edelmetall darin. Direkt am früheren Bahnhof von Deutschkatharinenberg, einem Deutschneudorfer Ortsteil. Die Nachricht der Messtechniker hat nicht nur Haustein seither um den Schlaf gebracht, sondern das gesamte Erzgebirge in einen wahren Goldrausch versetzt. Seit Tagen sperren Polizisten das unwirtliche, bergige Areal ab. Daneben sollen zwei Meter hohe Drahtzäune Eindringlinge abhalten. „Vor allem nachts müssen wir aufpassen“, sagt Haustein, „es kommen immer mehr Trittbrettfahrer, die auf eigene Faust in die Stollen wollen.“ Die Medien tun ihr Übriges: Zur gestrigen Pressekonferenz sind Journalisten aus der gesamten Bundesrepublik gleich zu mehreren Dutzend angereist.

Doch so recht glauben will immer noch niemand an die Sensation. Am Ort der Grabung sind die Zweifler deutlich in der Überzahl, auch wenn die Lust auf die Sensation greifbar ist. Haustein versichert immer wieder: „Die Herstellerfirma der Messtechnik sagt, dass wir zu hundert Prozent mit einem Fund rechnen können.“ Und: Erst vor einigen Tagen habe ihm ein anonymer Anrufer, der in den letzten Kriegstagen hinter dem Bahnhof Soldaten beherbergt hat, erzählt, dass im Berg ein Vermögen versteckt worden sei. Hausteins Spannemann Christian Hanisch beteuert, während er zwischen den Schaulustigen aufgeregt hin und her läuft: „Es dauert nicht mehr lange.“ Im Hintergrund hebt der Bagger Kubikmeter um Kubikmeter Erde aus einem verschütteten Stollen, und mit jeder Schaufel wächst die Spannung. Nächsten Dienstag beginnt dann das Bergbauamt mit Bohrungen.

Dass die Leidenschaft von Haustein ausgerechnet jetzt ihren Höhepunkt erreicht, hat viel mit dem Schleswig-Holsteiner Hanisch, selbst seit Jahren Hobby-Schatzsucher, zu tun. Der 49-Jährige fand in den Flugbüchern seines Vaters, der während des Krieges Funker und Navigator bei der Luftwaffe war, eine vermeintlich heiße Spur: „Darin standen Koordinaten und die Worte ‚Unternehmen Goldorfe‘. Damit konnte ich aber zunächst nichts anfangen.“ Gemeint war damit ein Kulturgut-Transport von Hermann Görings Landsitz in der Schorfheide, den der Vater in der Luft begleiten musste. Erst ein GPS-Gerät, in die er die Koordinaten eingab, und ein Atlas führten ihn ins Erzgebirge. Die Angaben deckten sich mit jenem Erlebnis, das bei Haustein kurz nach der Wende die Schatzsuche auslöste: Ein hochrangiger General des Dritten Reiches, der kurz nach dem Gespräch starb, berichtete ihm von Kisten mit Bernstein, die in Deutschneudorf gelandet sein sollen – nicht weit von jenem Ort, wo nun gegraben wird.

Nicht wenige vermuteten anfangs einen PR-Trick hinter Hausteins Suche nach dem Bernsteinzimmer, manche tun ihn auch jetzt noch als Spinner ab. Doch der Vater von zwei erwachsenen Söhnen ist eine Art Hoffnungsträger für die Region. Auch, weil er mit 130 Mitarbeitern in seinem Elektrobetrieb einer der größten Arbeitgeber im Landkreis ist. Deutschneudorf ist eine 1300-Seelen-Gemeinde, womit die Dimension deutlich wird. Haustein sorgte in den vergangenen Jahren nicht zuletzt mit seiner Bernsteinzimmer-Theorie dafür, dass Menschen im Erzgebirge wohnen bleiben – und dass Menschen kommen, im vergangenen jahr immerhin 15 000, um den bereits von ihm gefundenen Fortunastollen zu besichtigen. Ist also doch alles nur eine kluge Marketingstrategie? Im Erzgebirge könnte durchaus unschätzbar Wertvolles, vielleicht Gold in Hülle und Fülle, verborgen sein, meint der Randleipziger Privatdetektiv Dietmar B. Reimann. Er selbst vermutet das Bernsteinzimmer, ehemals ein Geschenk des Preußischen Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. an den russischen Zaren Peter den Großen, allerdings im Poppenwald bei Schlema. Seine Theorie nach muss auch der Hohenzollern-Schatz ganz in der Nähe sein. Wer die Geschichte deutet und Erzählungen alter Menschen aus den umliegenden Orten aufmerksam zuhört, könnte zu diesen Schlüssen gelangen. Finderlohn haben die Schatzsucher jedenfalls kaum zu erwarten. „Es geht mir nicht ums Geld, sondern um die Sache“, stellt Haustein klar. Sollten tatsächlich Teile des Bernsteinzimmers oder tonnenweise Gold gefunden werden, geht alles in den Besitz der Bundesrepublik Deutschland über. Auf eines legt der der Deutschneudorfer Bürgermeister allerdings wert: „Die versteckten Kulturgüter müssen wieder in die Öffentlichkeit. Wenn wir das Bernsteinzimmer finden, wäre das ein tolles Symbol.“ Er stellt sich das so vor: Deutschland gibt Russland das Zimmer zurück – und im Gegenzug schickt Russland Beutekunst.


Quelle: http://www.lvz.de/aktuell/content/55445.html
© LVZ-Online vom: Freitag, 22. Februar 2008

Schatzsuche im Erzgebirge wird am Dienstag fortgesetzt

Deutschneudorf. Die Suche nach Gold und Silber im Erzgebirge soll in der kommenden Woche professionell fortgesetzt werden. Die Bergsicherung in Schneeberg werde am Dienstag ein Loch ins Erdreich bohren, um den Hinweisen auf ein Edelmetalldepot nachzugehen, kündigte der Bürgermeister der Gemeinde Deutschneudorf, Heinz-Peter Haustein (FDP), am Freitag an. Anschließend solle mit einer Kamera der vermutete Hohlraum erkundet werden. Bislang gab es lediglich oberflächliche Messungen - danach könnten im Erdreich unter Deutschneudorf bis zu zwei Tonnen Gold und Silber lagern, so seine Annahme. Haustein hofft sogar, dass der vermeintliche Schatz ihn auf die Spur des verschollenen Bernsteinzimmers bringt.

Hausteins nicht unumstrittene Vision fasziniert inzwischen Medien aus aller Welt. Zu einer Pressekonferenz am Freitagvormittag reisten rund 50 Journalisten in den kleinen Ort an der deutsch-tschechischen Grenze, darunter auch Kamerateams vom US-Nachrichtenkanal CNN und des russischen Fersehsenders NTW. Im schmucken, holzvertäfelten Empfangsraum des 2001 eröffneten „Abenteuer-Bergwerks Bernsteinzimmer“ standen Haustein und sein Partner Christian Hanisch aus Schleswig-Holstein Rede und Antwort und versuchten, Zweifel an ihrer Geschichte auszuräumen.

Der neue Goldrausch in Deutschneudorf hatte vor gut zwei Wochen begonnen, als Hanisch und Haustein bei Messungen mit Spezialgeräten erhebliche Mengen von Edelmetall aufgespürt haben wollen. In einer Kladde im Nachlass seines Vaters - ein Funker und Navigator bei der Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg - sei er auf die Koordinaten von Deutschneudorf gestoßen, schilderte Hanisch. In den Aufzeichnungen hätten sich zweifelsfreie Hinweise auf 1,9 Tonnen Gold und Diamanten sowie andere Kulturgüter - etwa wertvolle Gemälde - gefunden. Zunächst versuchten die Schatzsucher vergeblich, mit einem Bagger an die vermuteten Kisten zu kommen. „Die Schätze liegen tiefer als erwartet“, erklärte Haustein. Deshalb solle nun die Bergsicherung helfen. Finanzielle Hilfe vom Staat erhalte er bislang nicht, sagte Haustein, der für die FDP im Bundestag sitzt, wie auch der Briefkopf seine jüngsten Presseeinladung nach Deutschneudorf ausweist. Er sprach aber von „moralischer Unterstützung“ etwa bei der Erteilung von Genehmigungen. Die Suche werde bislang allein privat finanziert, unter anderem über einen Förderverein.

Schmallippig wurde Hobby-Schatzsucher Hanisch, als er von Journalisten auf Ungereimtheiten angesprochen wurde. Er hatte bereits im vergangenen Sommer der Lokalpresse Fotos mit Goldbarren präsentiert, die er in Deutschneudorf gefunden haben will. Den Fundort konnte er aber niemandem zeigen. Eine Erklärung dafür blieb er schuldig und verschwand damals kurz nach der Pressekonferenz, ohne - wie geplant - noch einmal mit dem Kamerateams zu Grabungsstelle zu gehen.

Bürgermeister Haustein, seit mehr als zehn Jahren auf der Suche nach dem Bernsteinzimmer, ficht das nicht an: „Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass in den letzten Kriegsjahren in Deutschneudorf Schätze von den Nazis versteckt wurden.“ Dafür habe er unzählige Hinweise erhalten. Er werde nicht aufgegeben. Sollte er auch diesmal scheitern, habe er bereits andere Stellen für die Suche im Auge. „Dann werde ich die Medien aber erst informieren, wenn ich wirklich etwas gefunden habe.“

Erik Nebel, dpa

Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 16. Februar 2008
© LVZ-Online vom: Samstag, 16. Februar 2008

Schatzsucher in Sachsen wollen zwei Tonnen Gold geortet haben

Deutschneudorf. Auf der Suche nach dem legendären Bernsteinzimmer wollen Schatzsucher im deutsch-tschechischen Grenzort Deutschneudorf rund zwei Tonnen Gold in einem Hohlraum im Felsgestein geortet haben. Das Gelände sei mit Spezialmessgeräten untersucht worden, sagte der Bürgermeister des sächsischen Ortes, Hans-Peter Haustein (FDP), am Samstag. Die Analyse habe ergeben, dass es sich um einen künstlich angelegten Schacht handele, an dessen Ende in rund 20 Metern Tiefe ein Hohlraum mit einem erheblichen Aufkommen von Edelmetall liege.
„Es ist definitiv kein Eisen. Das ist Gold, vielleicht auch Silber“, sagte Haustein. In der nächsten Woche solle die Freilegung geplant werden. „Wir erwarten entweder Gold vom Bernsteinzimmer oder von diesem Gold Hinweise zu einem weiteren Versteck.“ Bei den Untersuchungen würden elektromagnetische Wellen ins Bergmassiv geschickt, erklärte Haustein. Die Reflexionen lieferten Informationen über die Struktur. „Daher kann ein Eisenvorkommen schon ausgeschlossen werden.“
Seit Jahren ist der Bürgermeister vom Schatzfieber gepackt. Er geht immer wieder Hinweisen auf das verschollene Bernsteinzimmer der russischen Zaren nach. Bisher blieb die Suche erfolglos. Doch nun will der Hobby-Schatzsucher Christian Hanisch aus Schleswig-Holstein in Aufzeichnungen seines Vaters, der Funker bei der Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg war, Koordinaten von Orten gefunden haben, wo die Nazis am Kriegsende Gold und Diamanten versteckt haben sollen. Diese Koordinaten sollen zu sogenannten Entnahmedepots führen.
„Diese Koordinaten stimmen exakt mit dem Ort unserer Suche und den Messergebnissen überein“, sagte Haustein. In solchen Depots seien Aufzeichnungen zufolge am Kriegsende Wertsachen und Schätze versteckt worden.
ADas Bernsteinzimmer war ein Geschenk des Preußischen Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. an den russischen Zaren Peter den Großen. 1941 wurde es in Zarskoje Zelo bei Petersburg von deutschen Soldaten demontiert und ins Königsberger Schloss gebracht, wo sich seine Spur verliert. In den vergangenen Jahrzehnten wurde es schon an mehr als 100 Orten vermutet.

dpa

Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 9. Februar 2008 (Printausgabe - Seite 4)
© Leipziger Volkszeitung

Bernsteinzimmer

Schatzsuche mit Bagger in Deutschneudorf

Deutschneudorf (ddp/dpa). Neue Gerüchte über das legendäre Bernsteinzimmer haben im deutsch-tschechischen Grenzort Deutschneudorf (Mittlerer Erzgebirgskreis) wieder das Schatzfieber ausgelöst. „Wir haben Hinweise auf Wertsachen erhalten, die hier im Zweiten Weltkrieg versteckt wurden“, sagte gestern Bürgermeister Heinz-Peter Haustein (FDP), der mit schwerer Technik, Hightech-Suchgeräten und Medienvertretern anrückte. Messungen und Bodenscans mit einem Detektor hätten in den Hohlräumen der früheren Bergbauschächte geometrische Formen wie Quader gezeigt: „Das könnten Kisten sein.“ Haustein ist optimistisch, dass darin Schätze lagern.
Der Politiker ist bei seiner unermüdlichen Suche nach dem Bernsteinzimmer nicht mehr allein. Der Hobby-Schatzsucher Christian Hanisch aus Schleswig-Holstein unterstützt ihn. In Aufzeichnungen seines Vater, der Funker und Navigator bei der Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg war, habe er konkrete Koordinaten gefunden, wo die Nazis zum Kriegsende Gold und Diamanten versteckt haben sollen. Seine Informationen decken sich mit den Indizien Hausteins. Der Bundestagsabgeordnete kennt viele Berichte von geheimen Gütertransporten in den letzten Kriegswochen.

Seit Donnerstag wird mit einem Bagger und Pickhämmern hinter dem Bahnhof des Ortsteils Deutschkatharinenberg in den Fels gegraben. Gestern musste die Suche aber zunächst abgebrochen werden. Fünf Meter drang der Bagger in den Berg ein, dann wurde es zu gefährlich. Nun soll die Schneeberger Bergsicherung die Hohlräume absichern.
Das Bernsteinzimmer war ein Geschenk des Preußischen Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. an den russischen Zaren Peter den Großen. 1941 wurde es in Zarskoje Zelo bei Petersburg von deutschen Soldaten demontiert und ins Königsberger Schloss gebracht, wo sich seine Spur verliert. Seitdem wurde es an mehr als 100 Plätzen vermutet, darunter in Wermsdorf (Kreis Torgau-Oschatz).