Katharinenberg. CIA, Tschechischer
Geheimdienst, der BND. Anonyme Anrufe, die Beichte eines Augenzeugen kurz
vor seinem Tod, Gerüchte, Bedrohungen, unbekannte Gesichter im Ort.
Ein SS-Standartenführer namens Albert Popp, der am 16. April 1945
gesehen wurde, und ein gewisser Stasi-Oberst Hans Seuffert aus Berlin.
Das alles sind die Zutaten zu einem
richtigen Krimi. Einem Krimi, den nur das Leben schreiben kann. Oder doch
nur ein PR-Gag, Fanatismus? Aber immerhin, um nichts weniger als das Bernsteinzimmer
geht es hier. Manche schätzen den Wert des Geschenks von Friedrich
Wilhelm I. an den russischen Zaren Peter I. auf 250 Millionen Mark. 1941
wurde das Bernsteinzimmer von deutschen Soldaten nach Königsberg abtransportiert.
Danach verliert sich die Spur. Im tschechischen Hora Svate Kateriny (Katharinenberg)
soll sie wieder aufgenommen werden.
Vor zwei Jahren war die Suche wegen
juristischer Streitigkeiten eingestellt worden. Aber am Montag will der
Deutsch-Amerikaner Helmut Gaensel die verwaiste Baustelle des Nicolaistollens
bei Katharinenberg wieder in Betrieb nehmen. Gaensel, am 24. Juni 1934
im sächsischen Schmiedeberg geboren, hat eigenen Angaben zufolge seinen
Wohnsitz in Miami. Er tauchte 1998 im Erzgebirge auf, als auf deutscher
Seite in Deutschneudorf die Existenz des 1881 dicht gemachten Fortuna-Erbstollens
entdeckt worden war. Damals kamen auch die Gerüchte um vergrabene
Schätze auf. Im Sommer diesen Jahres fanden Arbeiter auf deutscher
Seite Zündschnüre und eine Blechbüchse, die im 2. Weltkrieg
als Schatulle für Gasmasken von der Wehrmacht verwendet wurden.
Für den Wiederbeginn der Bauarbeiten
am Nicolaistollen fehle lediglich noch ein Stempel der tschechischen Bergaufsicht,
sagt der selbsternannte Schatzsucher Gaensel zuversichtlich. Ein tschechisches
Gericht habe ihm im Streit über die Öffnung des Stollens und
die Schatzsuche jetzt Recht gegeben. Der Vertrag mit der 300-Seelen-Gemeinde
Hora Svate Kateriny sei unter Dach und Fach.
Nach Gaensels Aussage beruhte die
Auseinandersetzung auf einem Missverständnis. Er sei mit den von der
Gemeinde diktierten Bedingungen damals nicht einverstanden gewesen. "Es
war kein Fair play", sagte er. Anders lautenden Gerüchten zufolge
sei aber vielmehr die aktive Unterstützung der Kommunistischen Partei
bei den letzten Kommunalwahlen in Tschechien durch den Deutschamerikaner
ausschlaggebend für das Zerwürfnis gewesen.
Wie dem auch sei: "Die zweijährige
Verzögerung hat die Gemeinde viel Geld gekostet. Die Angelegenheit
ist aber ausgestanden. Jetzt geht es los", so Gaensel, der über Sponsoren
rund 180.000 Mark gesammelt haben will. Die Sponsoren kämen vorwiegend
aus den USA. Gaensel bestätigte weiterhin, dass er bis 1968 mit dem
CIA und dem Tschechischen Geheimdienst zusammen gearbeitet hatte.
Internet-Präsentation durch Wolfgang Wischer (Leipzig)