Leipziger Volkszeitung vom 20. Oktober 2000
Gerüchte und Geheimnisse:
Im deutsch-tschechischen Grenzgebiet graben wieder Schatzsucher
Bernsteinzimmer und kein Ende

Katharinenberg. CIA, Tschechischer Geheimdienst, der BND. Anonyme Anrufe, die Beichte eines Augenzeugen kurz vor seinem Tod, Gerüchte, Bedrohungen, unbekannte Gesichter im Ort. Ein SS-Standartenführer namens Albert Popp, der am 16. April 1945 gesehen wurde, und ein gewisser Stasi-Oberst Hans Seuffert aus Berlin.
Das alles sind die Zutaten zu einem richtigen Krimi. Einem Krimi, den nur das Leben schreiben kann. Oder doch nur ein PR-Gag, Fanatismus? Aber immerhin, um nichts weniger als das Bernsteinzimmer geht es hier. Manche schätzen den Wert des Geschenks von Friedrich Wilhelm I. an den russischen Zaren Peter I. auf 250 Millionen Mark. 1941 wurde das Bernsteinzimmer von deutschen Soldaten nach Königsberg abtransportiert. Danach verliert sich die Spur. Im tschechischen Hora Svate Kateriny (Katharinenberg) soll sie wieder aufgenommen werden.
Vor zwei Jahren war die Suche wegen juristischer Streitigkeiten eingestellt worden. Aber am Montag will der Deutsch-Amerikaner Helmut Gaensel die verwaiste Baustelle des Nicolaistollens bei Katharinenberg wieder in Betrieb nehmen. Gaensel, am 24. Juni 1934 im sächsischen Schmiedeberg geboren, hat eigenen Angaben zufolge seinen Wohnsitz in Miami. Er tauchte 1998 im Erzgebirge auf, als auf deutscher Seite in Deutschneudorf die Existenz des 1881 dicht gemachten Fortuna-Erbstollens entdeckt worden war. Damals kamen auch die Gerüchte um vergrabene Schätze auf. Im Sommer diesen Jahres fanden Arbeiter auf deutscher Seite Zündschnüre und eine Blechbüchse, die im 2. Weltkrieg als Schatulle für Gasmasken von der Wehrmacht verwendet wurden.
Für den Wiederbeginn der Bauarbeiten am Nicolaistollen fehle lediglich noch ein Stempel der tschechischen Bergaufsicht, sagt der selbsternannte Schatzsucher Gaensel zuversichtlich. Ein tschechisches Gericht habe ihm im Streit über die Öffnung des Stollens und die Schatzsuche jetzt Recht gegeben. Der Vertrag mit der 300-Seelen-Gemeinde Hora Svate Kateriny sei unter Dach und Fach.
Nach Gaensels Aussage beruhte die Auseinandersetzung auf einem Missverständnis. Er sei mit den von der Gemeinde diktierten Bedingungen damals nicht einverstanden gewesen. "Es war kein Fair play", sagte er. Anders lautenden Gerüchten zufolge sei aber vielmehr die aktive Unterstützung der Kommunistischen Partei bei den letzten Kommunalwahlen in Tschechien durch den Deutschamerikaner ausschlaggebend für das Zerwürfnis gewesen.
Wie dem auch sei: "Die zweijährige Verzögerung hat die Gemeinde viel Geld gekostet. Die Angelegenheit ist aber ausgestanden. Jetzt geht es los", so Gaensel, der über Sponsoren rund 180.000 Mark gesammelt haben will. Die Sponsoren kämen vorwiegend aus den USA. Gaensel bestätigte weiterhin, dass er bis 1968 mit dem CIA und dem Tschechischen Geheimdienst zusammen gearbeitet hatte.

Torsten Schilling

 
 

Schatzsucher: Helmut Gaensel (r.) und
der Bürgermeister von Deutschneudorf, Heinz-Peter Haustein
Foto: dpa



Informationen über das Bernsteinzimmer

Internet-Präsentation durch Wolfgang Wischer (Leipzig)