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Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 13. Januar 2010 (Hauptseite/Seite 15)
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LVB steigen beim Cross-Border-Leasing aus

Leipzig (jr). In aller Stille haben die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) die Mehrzahl ihrer Cross-Border-Leasing-Verträge aufgelöst. Das bestätigte Unternehmenssprecher Reinhard Bohse auf LVZ-Anfrage. Gelungen sei der erfolgreiche Ausstieg bei vier von sechs der internationalen Finanzgeschäfte, die inzwischen generell als risikoreich eingeschätzt werden. Dem kommunalen Unternehmen seien dabei nur geringe Kosten für Berater entstanden, am Barwertvorteil von 16 Millionen Euro habe sich nichts geändert. Allerdings läuft das größte Cross-Border-Leasing der LVB noch weiter.

 

© Leipziger Volkszeitung - Seite 15

Ausstieg beim Cross-Border-Leasing

Verkehrsbetriebe beenden US-Finanzgeschäfte im Umfang von 289 Millionen Dollar

Beim Cross-Border-Leasing haben die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) nun den Rückwärtsgang eingelegt. Vier der sechs einschlägigen Geschäfte, die eigentlich eine Laufzeit von bis zu 100 Jahren haben, wurden im vergangenen Jahr in aller Stille aufgelöst.
"Ja, es stimmt. Wir haben die Mehrzahl der Verträge vorfristig beendet", sagte Unternehmenssprecher Reinhard Bohse gestern auf Anfrage der LVZ. "Und zwar im gegenseitigen Einvernehmen. Auch unsere Partner wollten sich den bürokratischen Aufwand für die weitere Erfüllung einfach ersparen."

Ausgestiegen sind die Verkehrsbetriebe bei vier Cross-Border-Leasings mit US-Investoren, die durchweg Straßenbahnen galten und einen Wertumfang von 289 Millionen US-Dollar hatten. Konkret sah das so aus: Geschäft Nummer 1 stammte von 1996, es hatte einen Wertumfang von 180 Millionen US-Dollar, der Gewinn für die LVB betrug elf Millionen Euro. Geschäft Nummer zwei und drei stammten von 1997, der Wertumfang betrug 51 Millionen US-Dollar, der Gewinn für die LVB drei Millionen Euro. Geschäft Nummer vier aus dem Jahr 1998 belief sich auf 58 Millionen US-Dollar, der Gewinn für die LVB betrug zwei Millionen Euro.

Insgesamt haben Leipzigs Verkehrsbetriebe durch das grenzüberschreitende Hin- und Hervermieten ihrer Trams also 16 Millionen Euro eingenommen, fasste Bohse zusammen. "Das Geld wurde durchweg zum Kauf neuer Straßenbahnen eingesetzt, wofür es noch mal deutsche Fördermittel etwa in der gleichen Höhe gab. Ohne Cross-Border-Leasing hätten wir unseren Fuhrpark nie so schnell erneuern können."

Durch das vorfristige Beenden der Geschäfte seien für die LVB keine nennenswerten Kosten entstanden. "Nur die Berater mussten bezahlt werden." Der Gewinn - in der Fachsprache Barwertvorteil genannt - sei gleich geblieben, so der Sprecher weiter. Aufgelöst wurden die Verträge im Zeitraum von Februar bis Juli 2009. Also erst einige Monate nach dem Abdanken des kaufmännischen Geschäftsführers Klaus Heininger, der die Cross-Border-Leasings der LVB gemeinsam mit Hauptgeschäftsführer Wilhelm Georg Hanss eingefädelt hatte. Heininger wurde vergangenen Freitag als Finanzgeschäftsführer der Leipziger Wasserwerke entlassen.

Die Verkehrsbetriebe verfügen jetzt noch über zwei Cross-Border-Leasings: Nummer 1 stammt von 2002, es gilt den Gleisanlagen im Wert von 722 Millionen US-Dollar. Der Gewinn hier betrug 25 Millionen Euro. Hanss und Heininger wurden in diesem Zusammenhang wegen Bestechlichkeit und anderer Delikte angeklagt. Das Geschäft von 2002 könne nur die Stadt Leipzig auflösen, erläuterte Bohse. Das letzte Cross-Border-Leasing von 2003 betrifft Beiwagen für die alten Tatra-Straßenbahnen, es umfasst 49 Millionen US-Dollar, der Gewinn für die LVB lag hier bei 1,4 Millionen Euro.

Der Sprecher betonte, dass die schadlose Beendigung der ersten vier Verträge nur durch "Verhandlungen in aller Ruhe und Stille" möglich geworden sei. Etliche Investoren, die beim Cross-Border-Leasing Steuerschlupflöcher in den USA nutzten, würden inzwischen von der dortigen Regierung gedrängt, die Vereinbarungen zu beenden. "Wenn wir gefragt werden, wie eine Auflösung still und effektiv abgewickelt werden kann, geben wir unsere Erfahrungen gern weiter", sagte Bohse auf die Frage, ob in Leipzig noch weitere Cross-Border-Leasings vorzeitig beendet werden könnten. Experten sehen solche Verträge inzwischen als hoch risikoreich auch für die deutsche Seite an. Zum Beispiel in Stuttgart und Bochum haben Kommunen durch erzwungene Auflösungen Millionen Euro eingebüßt.

Jens Rometsch

 

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Standpunkt

Noch kein Grund zum Aufatmen

Von Jens Rometsch

Es ist höchst erfreulich, dass die Leipziger Verkehrsbetriebe nun aus der Mehrzahl ihrer Cross-Border-Leasing-Geschäfte ohne Schaden aussteigen konnten. Einerseits sinkt so das Gesamtrisiko, andererseits müssen etliche alte Straßenbahnen nicht länger als Unterpfand im Depot stehen. Sie können endlich verschrottet oder weiterverkauft werden.
Vor Euphorie so nach dem Motto - Cross Border funktioniert doch - muss aber dringend gewarnt werden. Die Geschäfte in den Neunzigerjahren waren für die deutsche Seite meist noch relativ sicher. Deshalb haben nun zuerst die US-Partner mit den ältesten Verträgen das Handtuch geworfen. Je mehr deutsche Kommunen nach der Jahrtausendwende auf den Zug aufsprangen, desto höher die Bedingungen der US-Partner für einen Deal. Es wird noch viel Geduld brauchen bis Leipzig bei den riskanten Geschäften aufatmen darf. Nur wenn die heute Verantwortlichen dafür Zeit und Ruhe erhalten, kann die Sache gut ausgehen. Eine eilige Trennung würde sich die US-Seite teuer bezahlen lassen.

eMail: j.rometsch@lvz.de

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